Abschlussarbeit: Seismotektonische Untersuchungen im Oberrheingraben
In einer Bachelorarbeit konnten wir für einige Erdbeben des Jahres 2020 im Oberrheingraben und dessen regionalem Umfeld Herflächenlösungen bestimmen. Herdflächenlösungen geben Auskunft über den Burchmechnismus des Erdbeben und können Anzeiger der Spannungrichtungen im Untergrund sein. Wir verwendeten Seismogramme von öffentlichen Stationen der Region aber zusätzlich auch Beobachtungen von Stationen unseres Instituts. In den Seismogrammen unserer Stationen wurden wenn möglich Ersteinsatzzeiten von P- und S-Wellen bestimmt, sowie die Erstausschlagsrichtung, sogenannte Polaritäten, der eintreffenden P-Wellen. Daraus lassen sich die Abstrahlcharakteristiken und Richtungen der Scherbrüche ableiten. Die Ergebnisse dieser Abschlussarbeit liefern wichtige Informationen über die aktuelle Tektonik unserer Region.

Wir untersuchen Erdbeben in der Oberrheingrabenregion. Gezeigt sind die seismologischen Stationen (Dreiecke) verschiedener Betreiber (Z3, 5N vom KIT) vor der Hintergrundkarte mit Topografie. Die Kreise zeigen Erdbeben der Vergangenheit (kleine schwarze Kreise) und die größeren Erdbeben des Jahres 2020 (weiß gefüllte Kreise), die untersucht wurden. Für zwölf Erdbeben des Jahres 2020 konnten wir robuste Herdmechanismen bestimmen. Darunter auch von dem Erdbeben nahe Todtnau am Nachmittag des 24.2. 2020. Dieses Erdbeben der Magnitude 2,5 wurde trotz einer recht großen Tiefe von etwa 20 km vor Ort von vielen deutlich verspürt. Der Mechanismus zeigt einen deutlichen Blattverschiebungsanteil, jedoch auch eine Abschiebungskomponente, was darauf hindeutet, dass auf einer lang existierenden Verwerfungszone ein Bruch in einem veränderten Spannungsfeld aufgetreten ist.

Herdmechanismus der Magnitude 2,5 Erdbebens am 24.02.2020 nahe Todtnau. Die Darstellung visualisiert den Erdbebenherd. Die Kreise zeigen die Projektionen der abgestrahlten P-Wellen. Schwarze Kreise signalisieren einen positiven Erstausschlag und Kompression, weiße Kreise einen negativen Erstausschlag und Dehnung. Aus diesen Beobachtungen werden wahrscheinliche Scherbruchmechanismen (eingefärbte Flächen) abgeschätzt.